Peter Matussek

Medienästhetik der Schrift

2. Psychologie des Lesens

2.1.4 Der "Wortüberlegenheitseffekt"

Die Beobachtung von Cattell

Überprüfen Sie, wie oft Sie die folgenden beiden Darbietungen jeweils aufrufen müssen, um die Zeichenfolgen zu erkennen:

Woran liegt es, dass Worte leichter erkannt werden als sinnlose Buchstabenfolgen?

Worterkennung unterdrückt auch sinnvolle Buchstabenfolgen
In dem nachfolgenden Text sind Tiernamen enthalten:

Finden Sie die Tiere? Wieviele sind es? (Auflösung: In das Textbeispiel klicken.)

2.1.4 Der "Wortüberlegenheitseffekt"

Die Beobachtung von Cattell

Schon James McKeen Cattell (1885) hatte entdeckt, dass Versuchspersonen tachistoskopisch dargebotene Wörter wesentlich besser reproduzieren können als sinnlose Buchstabenfolgen.

Überprüfen Sie, wie oft Sie die folgenden beiden Darstellungen jeweils aufrufen müssen, um die Zeichenfolgen zu erkennen.


Buchstaben werden im Wort besser erkannt als einzeln oder in sinnlosen Gruppen, wobei die Erkennbarkeit sinnloser Buchstabenfolgen steigt, wenn diese der wahrscheinlichen Häufigkeit in der Alltagssprache nahekommen (vgl. Günther 1988, S. 149 ff).

Sinnvolle Einheiten können gleichwohl unerkannt bleiben, wenn sie in Worteinheiten enthalten sind - ein weiterer Beleg für den Wortüberlegenheitseffekt. Das lässt sich auf simple Weise mit dem zweiten Beispiel demonstrieren.
Wäre die Lektüre ein serieller Erfassungsprozess, würden die Tiere leichter erkannt werden.

2.1.4 Der "Wortüberlegenheitseffekt"2.1.3 “词优效应”
SprechblaseSprechblase
Fragezeichen