4.

Lektürerierte Texttheorien

 

Wie wir gesehen haben, wird das, was wir als Schrift wahrnehmen, durch den Leser mit konstituiert. So spricht Umberto Eco beispielsweise von der "Mitarbeit des Lesers am Text". Dies gilt auch für die höheren Ebenen des Textverstehens. Nicht alle Texttheorien berücksichtigen das. Die in den fünfziger und Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts dominierende "autorintentionale" oder "einfühlende" Interpretation z. B. sah ihr Ziel darin, die sinnstiftende Absicht des Autors zu rekonstruieren, und übersah dabei, dass auch der Autor eines Textes nur einer von verschiedenen Deutern seines Textes sein kann. Seit der Mitte der sechziger Jahre folgte ein radikaler Umschwung: Provokativ erklärte Roland Barthes 1968 den "Tod des Autors" und proklamierte die leserorientierte "Lust am Text" (Barthes 1968, Barthes 1973). Sozialgeschichtliche und rezeptionsästhetische (vgl. Hohendahl 1974) sowie strukturalistische und semiotische Texttheorien (vgl. Zima 1977) entwarfen Modelle des Verstehens, die die Produktivität des Lesers berücksichtigen.

Im folgenden seien drei prominente Texttheorien vorgestellt, die besonders geeignet sind, die Appellstrukturen zu verdeutlichen, mit denen Texte die Mitarbeit des Lesers an der Sinnstiftung herausfordern.

4.1 Unbestimmtheitsstellen (Ingarden)

4.2 Leerstellen (Iser)

4.3 Intertextualität (Kristeva/Lachmann/Genette)