Seminar im SS 2008

 


Peter Matussek mit Sanaz Rassuli-Pourrahim

Schreibübungen zum Unbeschreiblichen


 

 

 
   
 

Jede(r) kennt die Erfahrung, dass uns die Worte ausgehen, wenn wir in Grenzregionen des Sagbaren oder Beschreibbaren vorstoßen. Wer dann doch zu Worten greift, hat meist das Gefühl, es mit substanzlosem Stimmgeräusch zu tun zu haben – mit ,flatus vocis’, wie es die mittelalterlichen Nominalisten nannten.
„Die Worte zerfielen mir im Munde wie modrige Pilze", konstatiert Lord Chandos in Hofmannsthals berühmtem Brief. Und Ludwig Wittgenstein zog in seiner Frühphilosophie die Konsequenz: „Worüber man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen.“
Gleichwohl können wir uns mit solch resignativen Auskünften nicht zufriedengeben.Der Nominalismus führte zur Suche nach neuen mündlichen und schriftlichen Ausdrucksformen; Hofmannsthals Sprachskepsis gewann der Schrift bislang ungekannte Subtilitäten ab; und Wittgenstein revidierte später seinen ,Tractatus Logico-Philosophicus’ durch ein Sprachspielkonzept, das nicht in der Benennung von Sachverhalten, sondern im Gebrauch der Wörter die entscheidende Funktion der Sprache sah.
Dass wir ohne das unablässige Bemühen, zu sagen, was sich nicht sagen läßt, nicht auskommen offenbart sich mit einer schlichten Replik auf die scheinbar so einleuchtende Formel „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ – nämlich die Nachfrage: „Was denn?“
Der Kurs wird anhand von spielerischen Übungen zur Verschriftlichung des Unbeschreiblichen grundlegende Fähigkeiten des Stilempfindens und der Formulierungskunst vermitteln.